Die Auswahl der gezeigten Arbeiten
werden von Zeit zu Zeit variiert und aktualisiert .
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Zu den Arbeiten von Stephan Potengowski
Laudator: Kurt Grunow
Stephan Potengowski schafft Installationen, Environments und begehbare Plastiken. Seine stringent und klar aufgebauten künstlerischen Arbeiten handeln von Behausungen und der Sehnsucht nach einem »Zuhause« inmitten mobiler, virtueller und globalisierter Lebens- und Arbeitsbedingungen.
In einer umfangreicheren Werkreihe schuf er begehbare Rundplastiken, deren Form er aus der Vorstellung entwickelte, den Anfang und das Ende eines Tunnels miteinander zu verbinden. Die so entstehenden Formen, die er in Durchmessern bis zu 8 Metern aus mit Papier bespannten Eisenstangen aufbaute, sind durch einen Eingang innen begehbar. Sie erinnern von außen vage an archaische Behausungen wie z.B. Iglus oder Jurten, im ganzen jedoch eher an virtuelle Architekturen aus dem Rasternetz eines CAD-Programmes.
Die Immaterialität solcher Formsysteme wird durch Potengowskis plastische Formulierungen zu sinnlich und real erlebbaren Architekturen umgekehrt. Im Innern dieser Donuts ähnelnden Tunnels installierte er Basslautsprecher, deren Geräusche (z.B. niederfrequente Herztöne) sich auf die Konstruktion übertragen und die Papierbespannung in Vibration versetzen.
Ein Besucher im Innern dieser Plastik erlebt sich als Teil eines virtuellen Lebewesens, zugleich aber auch in der Unwirklichkeit einer entmaterialisierten Architektur, die als Idee universalen Charakter annimmt, den Potengowski auch politisch und gesellschaftskritisch ausformuliert.
So z.B. in einer modifizierten Version dieser Konstruktionsidee, bei der er das Stahlskelett der Tunnelkonstruktion statt mit Transparentpapier in vollem Umfang mit etwa 3000 Postkarten sorgfältg belegte, die Fotografien von Flüchtlingen und anderer Unbehauster zeigen. Besuchern war es erlaubt, je eine dieser Karten mitzunehmen, sodaß die gesamte Behausung nach und nach ihre Haut, ihre Bedachung verlor.
Stephan Potengowski begann 1997 mit Arbeiten zu diesem Thema während eines Aufenthaltes in Delphi/Griechenland. Dort schuf er aus dem Blech alter Ölfässer, die von deutschen Soldaten im Weltkrieg dort hinterlassen wurden, einen Schutzraum, der bereits die Form seiner späteren begehbaren Plastiken vorwegnimmt.
Stephan Potengowski arbeitet stets ortsbezogen, oft werden auch Arbeiten speziell für die Gegebenheiten des jeweiligen Ausstellungsortes entwickelt. Umgekehrt stellt er auch anderen Künstlern in Form eines entkernten und sorgfältig restaurierten Wohnwagens einen mobilen Ausstellungsraum zur Verfügung – eine weitere Variante seines fein und facettenreich ausgesponnenen Themas des Behaustseins und des Unterwegsseins.
Stephan Potengowski studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Michelangelo Pistoletto. Er lebt und arbeitet in Tübingen.